Knapp vorbei am Super Bowl ist auch daneben
Da ist sie wieder. Diese Leere. Die Gewissheit, dass mein Team die nächsten 8 Monate nicht mehr im Fernsehen läuft und auch nicht mit einem Titel in die Pause geht. Die Rams waren sehr nah dran, wie vor 4 Jahren den Super Bowl zu erreichen. Am Ende war es eigentlich die Saison in einem Spiel zusammengefasst. Es fehlten Nuancen an Qualität und ein Quäntchen Glück.
Spielverlauf
Die Seahawks gewannen den Münzwurf und lehnten den Ballbesitz zu Beginn ab. Damit war die Rams-Offense zuerst auf dem Feld. Die hohen Erwartungen an einen MVP-Level Matthew Stafford und die namhaft besetzte Offensive wurden allerdings von einem schnellen Three and out gebremst.
Direkt im Gegenzug startete Sam Darnold viel besser rein: Bei einem 3rd Down fand er auf der rechten Seite tief hinter Cornerback Darious Williams den enteilten Rashid Shaheed für 51 Yards. Schon tief in der Hälfte der Gäste war es dann Runningback Kenneth Walker III, der nach mehreren positiven Runs den ersten Touchdown des Abends erzielte.
Nach dem frühen 7:0 für das Team von Mike Macdonald fanden aber auch die Rams ins Spiel. Matthew Stafford legte einen Ball genau in die Hände von Puka Nacua und so ging es gleich bis innerhalb der Seattle 30. Leider folgten auf das explosive Play drei unvollständige Pässe. Somit war es an Harrison Mevis, seinen ersten Ball durch die gelben Stangen zu befördern.
Stafford deep to Nacua 🔥
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Im Anschluss an die ersten Punkte für LA bewegten die Seahawks den Ball gut über das Feld, begünstigt durch verpasste Tackles der Defense bei Runs und Screens über Walker. Sam Darnold und Co. stockten dann aber in der Redzone und dank einer offensiven Holding-Strafe musste auch Seattle die 3 Punkte mitnehmen. So ging es mit 3:10 für die Gastgeber, die ganz in dunkelblau und grün aufliefen, in die Viertelpause.
Ein Großteil des zweiten Quarters war dann positiv für die Rams. Zunächst lief Kyren Williams den Ball an die 50, bevor ein langer Pass zu Davante Adams die McVay-Offense an die 23 der Seahawks brachte. Im Anschluss wurde Stafford zwar durch DeMarcus Lawrence gesackt und der Ball war kurz frei, aber Guard Kevin Dotson verhinderte schlimmeres und ermöglichte im Endeffekt das 50 Yard Field Goal.
Im folgenden Drive der Hausherren war es erst Darnold, der einen Snap des Centers nicht richtig sicherte, und dann ein Sack durch Braden Fiske, der den Punt forcierte. Diesen sicherte Returner Xavier Smith erst im Nachfassen, er sollte später noch eine entscheidende Rolle spielen.
McVays Offense brachte nun einen starken Drive auf den Kunstrasen: Blake Corum holte mehrere schnelle 1st Downs auf dem Boden und auch Tight End Colby Parkinson wurde eingebunden. Dann platzierte Stafford das Leder super in ein enges Fenster zwischen 4 oder 5 Seahawks, aber genau zu Puka Nacua, der den Ball in die gegnerische Hälfte beförderte. Nach weiteren 2 neuen ersten Versuchen fängt dann Kyren Williams den ersten Rams TD, weil die Seahawks ihn in Manndeckung verlieren.
Peak Stafford.
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Die erste Halbzeit neigte sich dem Ende, und als jede Defense einen Punt forciert hatte, schlug noch einmal die Stunde von Jaxon Smith-Njigba. Erst bewies er starke Hände und hielt einen Pass von Darnold super gegen den Verteidiger fest. Wenig später knackte er bei einem langen Ball die 100 Yards schon vor der Pause und brachte Seattle noch einmal in Scoring Range. Natürlich war es hier wieder JSN, der bei einer Route aus dem Backfield komplett ungedeckt blieb und schließlich den Score zum Halbzeitstand von 13:17 fing.
Aus den Kabinen kommend erhielten die Seahawks zwar den Football, aber nach einem Team Sack durch die Rams bei 3rd Down zwang man Seattle direkt zum Punt. Aber weil es anscheinend kein Rams-Spiel ohne kritischen Special Teams-Fehler in dieser Saison geben kann, fumbelte Xavier Smith den Ball beim Fair Catch. Die Seahawks behielten also das Leder und Darnold fand direkt beim nächsten Spielzug Jake Bobo in der Endzone für die nächsten Punkte.
Mit einer Differenz von 11 Punkten ging es also zunächst weiter und der Druck lastete fortan auf Stafford und McVay. Die ließen sich nicht lang bitten und mit zwei absoluten Big Plays zu TE Colby Parkinson und Davante Adams brachten sich die Rams an die Goalline der Hausherren. Dort war es erneut der beste Redzone-Reciever der NFL: Davante Adams fing den nächsten Touchdown von Stafford.
The @RamsNFL answer back! 😤
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Gerade als man dachte, dass die Rams das Momentum zurück eroberten, überwanden die Seahawks in der Folgeserie ein kritisches 3rd Down. Im Anschluss bewegten die Waffen der Gastgeber den Ball ganz ungestört durch die Reihen der Chris Shula Defense. Am Ende war es unser früherer Super Bowl MVP und Triple Crown Winner Cooper Kupp, der den Touchdown über die Mitte erzielte.
Doch dem heftigen Schlagabtausch nicht genug: auch die Rams durften noch einmal vor Ende des dritten Viertels. Zunächst hatte Adams ein weiteres langes Play, bevor die Rams nach einer eigenen Strafe in 3rd Down kamen. Stafford wich dem Druck stark aus, konnte den Pass allerdings nicht anbringen. Tariq Woolen, der Seahawks Cornerback, feierte sich aber trotz Ermahnung eines Referees lange in Richtung der Rams Sideline. Irgendwann flog dann folgerichtig die Flagge für Taunting und diese schenkte Stafford noch eine Möglichkeit für Punkte. Ausgerechnet über Woolen flog Matthews Pass in die Arme von Puka Nacua, der den Ball genau auf der Goalline artistisch kontrollierte. Nach dem Extrapunkt durch Mevis war der Spielstand bei 27 zu 31 für Seattle angekommen.
Zu Beginn des letzten Quarters flog Kamren Kinchens genau durch die O-Line der Seahawks zu Sam Darnold. Dieser Sack beschwörte den Seahawks Punt, den jetzt Kyren Williams kontrollierte. Von tief in der eigenen Hälfte hatte die Rams Offense die große Chance, das Spiel in Richtung LA zu lenken.
Blake Corum begann sogleich mit zwei 1st Downs und animiert davon fing auch sein Kollege Kyren Williams einen neuen ersten Versuch. Parkinson war der nächste in der Reihe und schon war ein sehr ausgewogener, methodischer Drive am Rollen. Je näher man der Endzone kam, desto schwerer wurden allerdings die positiven Spielzüge. Bei einem vermeintlich einfachen 3rd Down Pass konnte Parkinson den Ball nicht festhalten. Besonders bitter, da er wahrscheinlich hätte zum Touchdown traben können. Beim fälligen 4th&1 nahm Matthew Stafford es dann selbst in die Hand und wollte wohl zeigen, dass auch der MVP-Kandidat aus Kalifornien es mit den Beinen kann. Er schaffte es jedenfalls zum neuen ersten Versuch.
Stafford runs for the first down 😤
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Nun packte McVay einen aus der Trickkiste aus. Matthew Stafford täuschte zwei Pässe an und flippte das Spielgerät dann in die Hände von Puka, der das 1st Down an der 12 holte.
Wenig später kam es auf zwei Passplays an: Beim dritten Versuch fand Stafford keinen offenen Empfänger, was ein vorentscheidendes 4th Down auf den Plan brachte. Anstatt mit dem kurzen Field Goal auf einen Punkt zu verkürzen, wollte McVay den Touchdown. Leider war erneut keiner der Rams Reciever offen, und Devon Witherspoon schlug den Ball zu Boden. Turnover on Downs.
Knapp 5 Minuten vor Schluss bekamen also die Seahawks das Leder und kontrollierten fortan die Uhr bis weit nach der Two Minute Warning.
Schließlich schaffte die Rams Defense aber doch noch einen Stop. Mit 25 Sekunden Restzeit, ohne Timeouts und 92 Yards vom Sieg entfernt ging es in den letzten Drive dieser Saison. Denn obwohl Higbee und Nacua noch einmal gute Yards bei Pässen einfuhren, konnten beide nicht die Uhr stoppen und die Seahawks stürmten den Platz aufgrund ihres Super Bowl-Einzugs.
Was lief gut?
Die Offense. Endlich war sie wieder auf dem Niveau der besten Offensive der Liga, das über die letzten Wochen abhanden gekommen war.
Matthew Stafford konnte noch einmal seine MVP-Form abrufen und lieferte ein nahezu fehlerfreies Spiel ab. Dabei war es besonders
beeindruckend, dass diese Leistung gerade gegen so eine starke Defense kommt.
Puka Nacua und Davante Adams waren das erste Mal seit gefühlten Monaten beide gut eingebunden.
Außerdem will ich wie auch schon vor einigen Wochen Harrison Mevis hier positiv erwähnen. Er verwandelte alle Kicks im größten Spiel seiner bisherigen Karriere, auch wenn leider kein Gamewinner dabei war.
Heck of a season for the Rams. pic.twitter.com/FEmNSdeDOW
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Was lief schlecht?
Der Passrush war bis auf einzelne Momente nicht in der Lage, die Pocket für Darnold unbequem zu gestalten. Meist kam der Druck erst zu dem Zeitpunkt, als gerade so eine Anspielstation offen wurde.
In der Defensive waren es wieder mal verpasste Tackles, mit denen man sich selbst ins Bein schoss. Außerdem wurden die DBs ganz schön hergespielt. Sam Darnold hatte wahrscheinlich das beste Spiel seiner Karriere im wichtigsten Spiel eben dieser und die Rams Defense hat es ihm serviert.
Und dann war da noch dieser eine entscheidende Special Teams Fehler. Der gemuffte Punt durch Xavier Smith wurde zum Wendepunkt und schenkte den Gastgebern quasi 7 Punkte. Die Special Teams sind jetzt schon seit Jahren immer wieder ein Thema, leider auch hier in dieser schmerzhaften Niederlage.
Man of the Match
Es ist schwierig, bei einer Niederlage ein Spiel vor dem Super Bowl einen Spieler herauszuheben. Matthew Stafford spielte trotzdem ein MVP-würdiges Spiel und gewinnt hier diesen Trostpreis.
Matthew Stafford had a season to remember, despite the loss 👏 pic.twitter.com/IJpoZr06Rf
— PFF (@PFF) January 26, 2026
Play of the Game
Toller Pass von Stafford, starker Catch von Puka und dann auch noch über Tariq Woolen, der mit dem Taunting den Drive verlängerte. Einfach lecker.
THAT'S A TOUCHDOWN! ( A great one at that )
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Fazit
Eine sehr dominante Offense, eine wackelnde Defense und der eine Special Teams-Fehler: das war eigentlich die Saison der Rams im Schnelldurchlauf. Leider hat es in Seattle dann nicht gereicht. Wie geht es jetzt weiter?
Zunächst Glückwunsch an die Seahawks, die dieses Spiel verdient dank einer lupenreinen Vorstellung gewonnen haben und über die letzten Wochen das beste Team der Playoffs sind. Seattle spielt damit in 2 Wochen gegen die Patriots um die Vince Lombardi Trophy. Für die Rams geht es nicht nur nach Hause, sondern auch in die Offseason. Fragen stehen natürlich jetzt schon im Raum: Macht Stafford noch ein Jahr? Falls er bleibt, verlängert dann auch Davante Adams? Werden Mike LaFleur oder Chris Shula Headcoaches? All das und noch viel mehr wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Jetzt heißt es erstmal: Danke an unsere Los Angeles Rams für diese starke Saison, das hat viel Spaß gemacht mit diesem Team!
Und auch wenn im Super Bowl zwei unserer historischen Rivalen stehen: Genießt die letzten Stunden NFL-Action!
Horns Up!

